GeoLife | Das Freizeitportal in Niedersachsen | geolife.de

Goethe-Wanderung (Landesforsten)

Rubrik:Wandern, Kurzwanderung
Start:Parkplatz Torfhaus
Ziel:Parkplatz Torfhaus
Länge:5,89 km
Dauer:1,5 Stunden
Schwierigkeit:Bequeme Wanderung auf guten Waldwegen, keine
nennenswerten Steigungen.
Anfahrt:Auto: Von Norden über die A 395 und die B 4 durch Bad Harzburg; von Süden auf der B 4 über Braunlage. Ab dem Großparkplatz Torfhaus folgen Sie der Beschilderung »Goetheweg«.
Bahn und Bus: Über den Bahnhof Bad Harzburg und von dort mit dem Bus nach Torfhaus, Haltestelle »Torfhaus«, siehe www.kvg-braunschweig.de; mit dem Bus auch von Braunlage möglich.

Tour auf der Karte anzeigen »

Informationen zur Tour

Auf Goethes Spuren
zu den geheimnisvollen Harzmooren
Der Name dieser Wandertour verrät es schon: Sie wandeln
hier auf jenen Wegen, die schon Johann Wolfgang von
Goethe beschritt. Doch damit nicht genug – auch der
»Kaiserweg« ist Teil Ihrer Wanderung. Über diese
ehemalige Handelsstraße entkam Heinrich IV. auf seiner
Flucht vor den Sachsen. Als i-Tüpfelchen auf so viel
Geschichte gibt es – Sie erraten es schon – Natur vom
Allerfeinsten!

Blick aufs Große Torfhaus-Moor

Blick aufs Große Torfhaus-Moor

Bereits 1713, als man begann, in den umliegenden Mooren Torf abzubauen, wurde im heutigen »Torfhaus« das erste Gebäude errichtet. Der Torfschreiber, der hier wohnte, beaufsichtigte
das Torfstechen; er durfte in seinem Haus auch Lebensmittel, Bier und Branntwein verkaufen. Über die Grenzen hinaus bekannt wurde Torfhaus, nachdem Johann Wolfgang von Goethe, der damals anonym als »Maler Weber« den Harz bereiste, am
10. Dezember 1777 in Begleitung von Torfhaus-Förster Degen von hier zu seiner ersten Brockenbesteigung aufbrach. Die ungefähre Route von Degen und Goethe heißt heute
»Goetheweg« – ihr genauer Weg ist jedoch unbekannt.

Vor der Wanderung besuchen Sie am besten das »Nationalpark-Besucherzentrum TorfHaus« (www.torfhaus.info). Hier erhalten Sie viele spannende Informationen, aktuelle Nationalpark-
Broschüren sowie Wander- und Loipenkarten. Sie finden das Haus
am »Großparkplatz Torfhaus«.
In Richtung Süden wandernd und die letzten Häuser von Torfhaus hinter sich lassend, folgen Sie dem Goetheweg
und gelangen nach kurzer Zeit zum »Großen Torfhausmoor«, auch »Radauer Born« genannt. Sie durchqueren dieses Hochmoor auf einem Bohlensteg. Es erhält – wie alle Hochmoore – seine Nährstoffe ausschließlich über das Regenwasser und ist
deshalb nährstoffarm. Die Bezeichnung »Hochmoor« rührt von der Hochwölbung im Moorzentrum her. Hochmoore sind ein Lebensraum für Spezialisten – nur besonders angepasste Tiere und Pflanzen können hier leben und überleben.
Während dieser Passage Ihrer Wanderung genießen Sie einen faszinierenden Blick über die weite baumlose Moorfläche – bei klarer Sicht sehen Sie im Hintergrund den Brocken. Dieses
Moor gehört zu den größten und eindrucksvollsten Vermoorungen des Harzes. Wenn Sie genau hinschauen, erkennen Sie die typische, leicht uhrglasförmige Wölbung des Hochmoorkörpers.
Am Westrand des Moores entspringt die Radau – Quellbach des
beliebten Kunstwasserfalls bei Bad Harzburg. Unmittelbar am Bohlensteg blicken Sie auf einen Stillstandskomplex im Hochmoor – hier ist das Moorwachstum zur Ruhe gekommen.
Die Pflanzenwelt des Moores bildet ein vielgestaltiges Mosaik aus leicht erhöhten, trockeneren Moorteilen, den »Bulten« und wasserdurchtränkten Senken, den »Schlenken«. Die Bulten
werden vor allem von der »Rasigen Haarsimse« geprägt, die das Moor im Herbst in einen leuchtenden goldbraunen Teppich verwandelt. In denSchlenken gedeiht neben dem fleischfressenden »Rundblättrigen Sonnentau « die »Schlammsegge«, eine Pflanzenart,die seit der letzten Eiszeit hier
überdauert hat. An anderer Stelle reicht die Feuchtigkeit aus, um das Moor weiter in die Höhe wachsen zu lassen. Die wichtigste
Rolle spielen dabei die »Torfmoose«, die ein ganz besonderes Wachstum zeigen. In dem Maße, wie sie im unteren Teil absterben, wachsen sie nach oben weiter – bis zu 10 Zentimeter im Jahr. Das Torfmoos kann sich dieses Wachstum leisten, da es seine Nährstoffe aus dem Regenwasser erhält – es benötigt keine Wurzeln zur Nährstoffaufnahme. Die abgestorbenen Torfmoosteile werden im Moor nicht abgebaut, sondern zu Torf umgewandelt. Dadurch entsteht eine wachsende »Isolierschicht« zum Untergrund. Torfmoose schaffen sich auf diese Weise ihren eigenen Lebensraum. Die Torfbildung im Großen Torfhausmoor begann bereits um 8.300 v. Chr.; bis heute hat die
Torfdecke eine Mächtigkeit von 5 bis 6 Meter erreicht. Bitte helfen Sie beim Moorschutz mit, indem Sie die empfindlichen Moorflächen nicht betreten!
Ihre Wanderung führt Sie weiter am Moor entlang. Rechts des Weges sehen Sie einen künstlich angelegten Graben,
der den Goetheweg begleitet. Diesen Wasserlauf, den »Abbegraben«, kannte Goethe noch nicht – er wurde erst
1827 erbaut und erstreckt sich über 1.540 Meter Länge. Der Graben ist Bestandteil der »Oberharzer Wasserwirtschaft
«, des historischen Energieversorgungssystems des Oberharzer
Bergbaus, das heute als Kulturdenkmal unter Schutz steht.
Wundern Sie sich übrigens nicht über die rostbraune Färbung des Wassers und die starke Schaumbildung im Graben: Während die braune Farbe ihre Ursache in den aus dem Moor gelösten Huminstoffen hat, bewirken turbulente Strömungen ein Aufschäumen dieser Huminstoffe in Verbindung mit Eiweißen.
So wichtig der Abbegraben für den Harzer Bergbau war, so nachteilig wirkt er sich heute auf die angrenzenden Moore aus: Zahlreiche kleine Stichgräben ziehen das Wasser aus der Moorfläche des »Magdbettmoores « in den Abbegraben ab. Auf diese Weise wird der Wasserhaushalt des Moores, insbesondere unterhalb des Grabens, empfindlich gestört; es kam und kommt zu Veränderungen der Vegetation. Teilweise sind die Stichgräben
heute bereits wieder im Begriff zuzuwachsen – die Moore regene-rieren sich langsam selbst.
Auf Ihrer »Goethe-Wanderung« sind Sie bislang dem »Goetheweg« bis zur Kreuzung mit dem »Kaiserweg« gefolgt. Der Goetheweg verläuft nach rechts in Richtung »Brocken«. Hier
steht eine Schutzhütte, die bei Unwetter Unterschlupf bietet. Ihre Tour führt Sie jedoch nach links – Sie folgen nun dem Kaiserweg. Er war ein frühzeitlicher Handelsweg über den Harz, der von Goslar über Harzburg und den Königskrug nach Nordhausen
führte. Er diente Kaiser Heinrich IV. als Fluchtweg, als es während eines Aufenthaltes auf seiner Harzburg zu einem Aufstand der Sachsen kam. Als ein sächsisches Heer vor die
Harzburg zog, entkam der Kaiser im Jahre 1074 auf ungeklärte Weise und flüchtete über diese alte Handelsstraße in den Schutz der Südharzer Klöster.
Bald haben Sie eine Brücke erreicht, unter der die Abbe, gespeist von mehreren Abflüssen des Abbegrabens, mit Getöse den Kaiserweg unterquert. Blicken Sie hier nach links in Richtung
»Großes Torfhausmoor«, so schauen Sie auf einen Moorfichtenwald, der hier an den Rändern der Moore die natürliche Waldgesellschaft bildet. Der Moorfichtenwald steht umso lockerer, je mooriger der Boden wird. Die Bäume wachsen unter den gegebenen Bedingungen extrem langsam. Als einzige Laubbaumart neben der Fichte verträgt die Karpatenbirke die sauren Böden der Moore im Harz. Moorfichtenwälder sind reich an Beerensträuchern, Pfeifengras, Torfmoosen und anderen typischen Moorpflanzen.
Das Hochmoor selbst ist waldfrei. Bäume können im Moor kaum wachsen, da ihre Wurzeln durch die mächtige Torfdecke nicht bis zum Boden vordringen können. Wo ihnen im Moor dennoch ein Auskommen gelingt, sinken sie langsam immer tiefer in den Moorboden ein, bis sie schließlich regelrecht »ertrinken«.

Nachdem Sie ein längeres Stück gewandert sind, erreichen Sie nach einiger Zeit linkerhand einen solchen alten Torfstich, das heißt, eine Torfgewinnungsstelle. Die Grenze des Torfabbaus bilden die mit Zwergsträuchern bewachsenen Stichwände im Hintergrund. Diese Wände geben Ihnen einen imposanten Eindruck von der Mächtigkeit der Torflager im Großen Torfhausmoor. Mit dem Torfstechen hat man hier während der Blütezeit des Harzer Bergbaus begonnen – im Jahre 1713.
Die Holzreserven in den Harzwäldern waren damals erschöpft, und die Bergverwaltung suchte nach alternativen Energiequellen. Die aus dem Moor herausgestochenen Torfsoden wurden in großen, hölzernen Trockenschuppen getrocknet. Nach einer einjährigen Trockenzeit wurden sie in Meilern, später auch in eisernen Öfen, verkohlt. Doch der Torfabbau war im rauen Klima des Harzes nie rentabel und wurde 1786 eingestellt.
Der Nationalpark Harz unterstützt aufgrund der massiven historischen Eingriffe des Menschen in das Moor die natürliche Entwicklung durch aktive Moor-Renaturierung. Gut erkennbar
sind hier die hölzernen Sperrriegel, die der Nationalpark in alte
Moorgräben eingebaut hat, um deren entwässernde Wirkung aufzuheben und wieder einen naturnahen Wasserhaushalt
im Moor herzustellen.
Insgesamt ist die Moor-Vielfalt und -Dynamik des Nationalparks Harz in Europa einzigartig – die Moore sind ein Naturerbe von internationaler Bedeutung.
Der Nationalpark Harz gewährleistet ihre ungestörte Entwicklung
und wird heutigen wie künftigen Generationen dieses faszi-nierende Naturerlebnis bewahren. Die herrliche Wandertour auf Goethes Spuren durch die Moore endet nun jedoch schon
bald: Nach wenigen hundert Metern haben Sie Torfhaus wieder erreicht.

 

Stege dienen dem Schutz der Moore

Stege dienen dem Schutz der Moore

PDF-Ausdruck Informationen als PDF herunterladen (2,32 MB)

« zurück zur Übersicht »