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Steinkohle - Tour Coppengrave

Rubrik:Wandern, Eintagestour
Start:Köhlerhütte Coppengrave
Streckenverlauf:Hohe Warte
Ziel:Köhlerhütte Coppengrave
Länge:5,94 km
Dauer:ca. 2,5 Stunden
Schwierigkeit:Zuerst leichter Anstieg im Hils, dann wieder Abstieg
und fast eben verlaufende Wald- und Feldwege
Anfahrt:Von Hannover über die Bundesstraße 3 und 240
nach Weenzen- L 462 nach Duingen und weiter nach Coppengrave - Im Ort links abbiegen zum Pfingstanger.
Von Göttigen über Bundesstraße 3 bei Godenau ab über die K 407 nach Hohe Warte- dann Rechts auf die L 462 nach Coppengrave.
Kontakt:Bürgermeister
Harry Brinkmann
Pfingstanger 6
31091 Coppengrave
Brinkmann.ProCop@t-online.de

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Informationen zur Tour

Ausgangspunkt: Köhlerhütte / Schachthaufen in Coppengrave

Kirche in Coppengrave

Kirche in Coppengrave

Der Teich vor der Köhlerhütte ist das Mundloch eines flach geneigten Stollens, der von 1902 bis 1905 400 m weit gegen den Hils vorgetrieben wurde. Die Kohlenausbeute deckte gerade den Betriebsbedarf. Die unmittelbar nördlich gelegene große Halde, auf der eine Ruhebank steht und die eine schöne Aussicht auf das Dorf Coppengrave bietet, besteht aus dem Abraum des Bergwerks. Zur Entwässerung wurde ein weiterer Stollen angelegt, der etwa 200 m südlich des Schützenhauses im Mühlensiek mündet. Nachdem mehrere Erkundungsbohrungen ergaben, dass das Kohleflöz nicht bauwürdig ist, wurde der Bergbau 1905 eingestellt. Wir wenden uns dem Wald zu und wählen den nach rechts zum "Sauloch" führenden Weg. Nach fünf Minuten zeigt eine weitere kleine, zugewachsene Halde die Stelle an, wo der hannoversche Unternehmer Egestorff gegen 1860 einen Schacht niederbringen ließ. Er förderte hier einige Jahre lang Steinkohlen und ließ auf eigene Kosten eine Chaussee vom Dorf nach hier anlegen, um die Kohlen abfahren zu können. Neben dem Schacht stand ein Büro und die Gezähekammer, wo die Bergleute ihr Arbeitsgerät aufbewahrten. Insgesamt deckte der Erlös jedoch nur die Kosten des Straßenbaus. Um die Ausdehnung des Flözes abzuschätzen, wurde 200 m südlich ein 80 m tiefer Versuchsschacht gebaut, dessen Mundloch an einem links oberhalb einer Böschung befindlichen Tümpel in einer scharfen Rechtskurve erkennbar ist. Hier endet der gut befestigte Forstweg und mündet in drei zugewachsene Fußwege. Wir gehen zurück bis zur Wegekreuzung am Schachthaufen, wenden uns rechts und nach ein paar Metern gleich wieder links auf den Raabeweg, dem wir bis zur Hohen Warte folgen. Wenn der Waldrand näherrückt, bietet sich von dort ein Überblick über die Tagebaue der ehemaligen Tonindustrie Niedersachsen. Eine Reihe mächtiger Eichen und Rudimente eines Grenzgrabens markieren an dieser Stelle die Staatsforstgrenze, die bis in die 1960er Jahre durch einen Holzzaun gesichert war. Wo der Raabeweg aus dem Wald tritt, sind es etwa 100 m bis zur öffentlichen Straße. Hier ergibt sich die Möglichkeit zu einem Abstecher zur ehemaligen Glasschleiferei der Grünenplaner DESAG: Entweder auf dem Knippsiekweg rechts und dann südlich um die ehemalige Tongrube des Hilstonwerks; der Weg ist aber schwer zu finden und bei feuchtem Wetter sehr sumpfig. Oder wenige hundert Meter auf der Landstraße von Hohe Warte Richtung Hohenbüchen. An dem einzeln stehenden Gebäude befand sich 1928 bis 1964 eine Verladeanlage von der Kleinbahn Duingen-Delligsen auf eine Seilbahn, deren Schneise am Hils noch sichtbar ist. 100 Meter südlich befand sich genau wie am Schachthaufen ein flach geneigter Kohlenschacht. Dort ereignete sich im Mai 1901 ein schweres Unglück. Nachdem das Mundloch des Stollens eingebrochen war, wurde es von einigen Arbeitern freigeschaufelt. Gleichzeitig fuhr über ein Bergmann über einen Hilfsschacht mit offenem Licht ein, gefolgt von dem Zimmermann Heuer aus Coppengrave, der den Schaden am Holzausbau begutachten und reparieren sollte. Weil sich zwischenzeitlich explosive Grubengase gesammelt hatten, flog das Bergwerk in die Luft. Die aus dem Mundloch herausschießenden Erdmassen begruben vier Arbeiter unter sich. Zurück an der Hohen Warte, wenden wir uns auf der Straße Richtung Coppengrave. In der Senke zwischen dem Haus Nr. 8 und dem angrenzenden Hühnerhof befand sich das Mundloch des Bergwerks am Knippsiek, das der Seesener Forstkommissar Lüning gegen 1750 einrichten ließ. Er hatte vom Herzog zu Braunschweig und Lüneburg die Erlaubnis erhalten, auf eigene Kosten nach Steinkohlen zu schürfen. Im Erfolgsfall sollte er die Investitionen erstattet bekommen und sich den Erlös mit dem Herzog teilen. Er trieb einen über hundert Meter langen Stollen nach Süden bis gegen den heutigen Waldrand vor, dazu noch zwei weitere Versuchsschächte. Er war von der Ergiebigkeit des Flözes überzeugt und investierte sein ganzes Vermögen einschließlich seines Rittergutes, um die herzogliche Kammer zu überzeugen und seine Kosten erstattet zu bekommen. Doch die Bergbeamten fanden das Flöz (aus heutiger Sicht zu Recht) nicht abbauwürdig. Im April 1752 hatte Lüning sein ganzes Vermögen einschließlich seines Rittergutes aufgezehrt und schrieb, hochverschuldet, zahlungsunfähig, verbittert und von zwei Schlaganfällen gelähmt eine "Rechtfertigung", in der er sein großes Engagement schilderte und nochmals um Unterstützung flehte – vergebens. Gegenüber dem Sportplatz, zwischen der Straße und der Hille baute 100 Jahre später der Brunkenser Baron Löhneysen auf Steinkohlen. Die kleinstückige Kohle wurde unter dem Schachtschauer von Hand zu Briketts geformt und an der Luft getrocknet. Hinter dem Gelände der Tonindustrie (heute Fa. Schwarze) kann man bei trockenem Wetter links durch die Feldmark zum Schachthaufen zurück wandern, oder aber der Straße bis zum Dorfplatz folgen und dort links in die Straße "Am Pfingstanger" Richtung Schützenhaus abbiegen.

Köhlerhütte Coppengrave

Köhlerhütte Coppengrave

Ehemalige Tonkuhle Coppengrave

Ehemalige Tonkuhle Coppengrave

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Urheber: © Günter Lampe , Delligsen

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