| Rubrik: | Regionales Radwandern, Eintagestour |
|---|---|
| Start: | Eschede (Rathaus) |
| Streckenverlauf: | Scharnhorst, Marwede, Bargfeld |
| Ziel: | Eschede (Rathaus) |
| Länge: | 21,08 km |
| Kartenmaterial: | Kartenmaterial ist erhältlich. Regionalkarte 1:100.000, RC31 |
| Kontakt: | samtgemeinde@eschede.de www.eschede.de |
Radtour rings um Eschede

Vom Rathaus aus überqueren wir die B 191, fahren auf der Albert-König-Straße (benannt nach dem in Eschede gebürtigen Heidemaler und Holzschnitzer Albert König; 1881-1944, sehenswertes Museum in Unterlüß) über die noch sehr naturnahe Aschau (Eschenau?, wahrscheinlich Namensgeber für den Ort Eschede) und biegen vor der ev.-luth. Johanniskirche, einem schnörkellosen Bau von 1713 mit separaten Holzkirchturm, links ab in die Osterstraße (= im Osten des Dorfes). Ein künstlerisch wertvolles Pieta-Kriegerdenkmal fällt auf dem Kirchplatz besonders ins Auge.
Am Friedhof vorbei geht es den alten Scharnhorster Kirchweg (noch bis 1874 war dies die Hauptverbindung zwischen Eschede und den östlichen Kirchspieldörfern), am Wasserwerk mit den beiden Funktürmen für Telekom- und Feuerwehrfrequenzen, rechts dem Bitumenmischwerk für Straßenbaustoffe bis nach Scharnhorst. Der Ortsname hat keine nachweisbare Verbindung mit dem großen Militär Gerhard Scharnhorst. Übersetzt aus dem Althochdeutschen heißt Scharn = Dreck und Horst = Nest, also "Drecknest", begründet aus der Lage des Dorfes inmitten einer fruchtbaren, aber auch staunassen und nach Regenfällen matschigen Lehminsel innerhalb karger Heideböden. Gleich das zweite Gehöft am Ortsanfang ist eine alte Dorfschmiede, eine der letzten erhaltenen weit und breit.
Am Feuerwehrhaus fahren wir links auf der Straße "Am Söhren" und dem Schützenweg um den Ort herum. Der "Söhren" ist ein feuchter Eichen-Hainbuchenwald, der ursprünglich weite Teile des Bereiches bedeckte, den wir auf unserer Tour noch kennenlernen. Leider sind nur noch verschwindend kleine Reste davon geblieben. Angelangt an der Hauptstraße, halten wir uns links gen Osten. Nachdem das Schützenhaus mit Bolz- und Grillplatz (zur allgemeinen Benutzung ohne Anmeldung freigegeben) passiert ist, biegen wir in Höhe der Straßen-Rechtskurve nach links ein in den Marweder Weg.
Vor uns liegt einer der schönsten Radwanderwege in der Südheide mit Wiesen, Weiden, Moor, Wald, Äckern, Brachflächen und Wacholderheide in kurzem Wechsel. An der Wegekreuzung nach Endeholz ist ein idyllischer Rastplatz im Wacholderhain. Bitte achten Sie darauf, dass keine Abfälle liegen bleiben. Gut zwei Kilometer weiter und wir sind in Marwede, einem nur etwa 150 Einwohner zählenden Walddorf, das sich mit Recht zu den "Perlen" der Südheide zählen darf. Nur wenige Orte haben sich ihre ursprüngliche Bauweise so weitgehend bewahren können: Ein Verdienst des langjährigen Bürgermeisters und Bundestagsabgeordneten Wilhelm Brese, der in Bonn als "Bauer Brese" zur Legende wurde und Adenauer gelegentlich kleine Streiche spielte im parlamentarischen Alltag.
Schauen Sie sich Marwede in aller Ruhe an! Mitten durchs Dorf fließt die Lutter, ein kleiner Heidebach in einer Ursprünglichkeit und Reinheit, wie er ohne Übertreibung in ganz Mitteleuropa nahezu einmalig ist. Mit riesigem Aufwand versuchen Bund, Land, Kreis und Naturschützer, dieses Kleinod für die Nachwelt und viele Rote-Listen-Arten zu konservieren. Links an der Lutterbrücke finden Sie die alte Wassermühle mit ehemaligem Sägegatter, äußerlich nicht sehr gut, innen aber fast vollständig erhalten. So schön das viele Fachwerk im Dorf auch aussieht - durch den Niedergang der Landwirtschaft gerade in der struktur-schwachen Heide ist vieles ungenutzt und bedroht!
Nachdem wir die Beschaulichkeit Marwedes auf uns wirken lassen haben, biegen wir an der Gabelung von der Endeholzer Straße rechts ab in den Bargfelder Weg. Vorbei am CVJM-Ferienheim radeln wir über den Spannberg, begleitet von Grünland und Fischteichen, nach Bargfeld. Wer jetzt hungrig und durstig geworden ist, dem darf man das Gasthaus Bangemann in der Dorfmitte empfehlen (außer montags, weil Ruhetag).
Gestärkt nehmen wir uns nun etwas Zeit für Bargfeld. Unter Literaturfreunden genießt dieser kleine Ort im Luttertal mittlerweile Weltruf. Denn von 1958 bis zu seinem Tode 1979 lebte hier ARNO SCHMIDT, als Schriftsteller einer der herausragenden deutschsprachigen Köpfe dieses Jahrhunderts. Die Weite unserer Wald- und Südheidelandschaft war Schmidt Impuls zu einem einzigartigen literarischen Werk ("Zettels Traum", "Kühe in Halbtrauer", "Schule der Atheisten", "Abend mit Goldrand").
Besonders dem Wirken der in Bargfeld ansässigen Arno Schmidt Stiftung (Besuche nur nach Anmeldung!) ist es zu verdanken, dass der Nachruhm des Autors in Fachkreisen ständig wächst, während die Menschen der Region noch ihre Schwierigkeiten haben, das alles zu kapieren...
So, nach derlei Höhenflügen machen wir uns jetzt auf den Rückweg. Wir verlassen Bargfeld gen Westen in Richtung Heese. Noch einmal kommt uns die gemächtliche Lutter in die Quere. In der freien Feldmark ist das kleine Heese bald in Sicht, wenn wir dem befestigten Weg folgen. Das Dorf hat gegenüber allen anderen der Südheide eine besondere Geschichte: Jahrhundertelang war es als Kalandsdorf (Kaland = fromme und wohltätige Brüderschaft) der Stadt Celle eng verbunden. Einige hundert Meter benutzen wir in Heese die Hauptstraße, um dann aber in der scharfen Rechtskurve geradeaus zu fahren. Auch hier dürfen wir uns an dem charakteristischen alten Baumbestand, den Hofeichen, erfreuen. Als Bauholzreserve und Wetterschutz sind diese Eichenhaine erst auf massiven Druck der Obrigkeit ab dem 18. Jh. in ganz Niedersachsen angepflanzt worden. Sturmfest und erdverwachsen...
Schnurgerade, wie auf vielen Wegen in der Heide, radeln wir jetzt auf Kragen zu, wobei auf halber Strecke die komfortable Fahrbahn von einer Holperstrecke abgelöst wird. Wir nehmen das in Kauf, wohl wissend, dass frühere Generationen ständig mit solchen Passagen leben mussten. In Kragen, bestehend lediglich aus drei großen Bauernhöfen, folgen wir der wenig befahrenen Hauptstraße bis zu den ersten Häusern von Scharnhorst. In der Rechtskurve halten wir uns geradeaus. Linker Hand liegt, versteckt in einem kleinen Mischwald, der "Friedenshain", eine bemerkenswerte dörfliche Gedenkstätte für die Opfer beider Weltkriege. Bitte weiter geradeaus über die Straßen nach Höfer und Habighorst, vorbei an einem idyllischen Einzelgehöft umfahren wir Scharnhorst auf der Südseite. Über den "Scharnhorster Berg" (so heißt die knapp 90 m-Anhöhe hier tatsächlich) müssen die Pedale noch einmal gequält werden.
Dann ist es geschafft: Volle Fahrt voraus, Eschede ist in Sicht! Am Storchenhaus Südstraße 13 lassen sich vielleicht noch Beobachtungen machen. Dann ist der Ausgangspunkt erreicht. Wie sagte Arno Schmidt doch so treffend:
"I give my vote - Flachland"... Und Sie?
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