| Rubrik: | Regionales Radwandern, Eintagestour |
|---|---|
| Start: | Peine |
| Streckenverlauf: | Schwicheldt, Borsum |
| Ziel: | Hildesheim |
| Länge: | 35,32 km |
| Dauer: | 1 Tag |
| Kartenmaterial: | Kartenmaterial ist erhältlich. Radwanderkarten 1 : 75 000 | RC30| Hannover und Umgebung Regionalkarte 1 : 100 000 |13| Großraum Hannover |
| Kontakt: | KGH und ADFC kontakt@adfc.de www.adfc.de |
Route durch eine der fruchtbarsten Regionen Deutschlands, die Hildesheimer Börde.

Die EXPO-Tour 3 führt durch eine der fruchtbarsten Regionen Deutschlands, die Hildesheimer Börde. Durch diesen leicht gewellten Landstrich radeln Sie vorbei an Haufendörfern, Gutshöfen und sehenswerten Kirchen. Die weite Landschaft erschließt sich bei manchem schönen Ausblick von einer der etwas höher gelegenen Kuppen. Diese einfache Tour eignet sich hervorragend für einen Sonntagnachmittagsausflug mit der Familie. Sie sollten drei bis vier Stunden einplanen. Allerdings sind die Wege nicht immer asphaltiert, so dass Sie bei vorangegangenen Regenfällen auf eine andere Erlebnisradtour ausweichen sollten. Die kleinen Kuppen und Hügel erfordern eine funktionierende Gangschaltung, erlauben dafür aber auch immer wieder weite Ausblicke. Planen Sie ein bisschen Zeit für Pausen ein! Die Landschaften zwischen Peine und Hildesheim Die Hildesheimer Börde Auf dem Weg von Peine nach Hildesheim führt Sie Tour 3 durch die Hildesheimer Börde, die zu den ertragreichsten Gebieten Deutschlands zählt. Die Hildesheimer Börde wird im Westen von der Leine begrenzt, südlich von Hildesheim schließt das Leinebergland an. Der Mittellandkanal bildet in etwa die nördliche Grenze zur nährstoffärmeren Geest, im Osten geht die Hildesheimer Börde in die ebenso fruchtbare Magdeburger Börde über. Grundlage für die sehr hohe Fruchtbarkeit der Hildesheimer Börde sind die mächtigen "Schwarzerden". Schwarzerden sind fruchtbare dunkle Böden, frei von Steinen und leicht durchwurzelbar. Die dunkle Farbe erhöht die Temperatur des Bodens und verlängert so die Zeit, in der Pflanzen wachsen können. In den "Bodenzahlen" der Landwirte erreichen die Schwarzerden hier 100 von 100 möglichen Gütepunkten. Entsprechend liegt der Schwerpunkt in der Landwirtschaft im Anbau anspruchsvoller Ackerfrüchte. Weizen, Zuckerrüben und Raps nehmen riesige Schläge ein. Durchschnittlich werden 800 Gramm Weizen und 5,5 Kilogramm Zuckerrüben pro Quadratmeter geerntet - für Deutschland absolute Spitzenwerte. Die hohe Fruchtbarkeit der Hildesheimer Börde brachte es mit sich, dass der ehemalige Wald fast ganz gerodet wurde und nur kleinere Wälder wie das Borsumer Holz übrig blieben. Ansonsten sind selbst Einzelbäume, kleine Feldgehölze oder Baumreihen selten. Typisch sind allerdings die nach dem Krieg entstandenen Lindenalleen. Sie markieren schon von weitem den Straßenverlauf und bereichern das Landschaftsbild. Auffallend ist, dass die meisten Straßen auf den etwas höher gelegenen Geländewellen gebaut wurden. Das kommt daher, dass die meisten Straßen auf uralte historische Fernwege zurückgehen, die bevorzugt über trockene, orientierungsreiche und mit festem Untergrund ausgestattete Geländewellen führten. Sumpfige oder feuchte Ländereien wurden gemieden, dafür gefährliche Steigungen und Abschnitte mit starkem Gefälle in Kauf genommen. Eine weitere Besonderheit der Hildesheimer Börde sind Haufendörfer, zwischen denen ein jeweils ein bis zwei Kilometer breiter siedlungsfreier Raum liegt. Zu ihnen später mehr. Die interessantesten Stationen zwischen Peine und Hildesheim Mittellandkanal Betrachtet man eine Landkarte von Deutschland, liegt die Idee des Mittellandkanals geradezu auf der Hand: Von West nach Ost gesehen ist das Gebiet auf einer mehrere hundert Kilometer langen Strecke nördlich des Wiehen- und Wesergebirges, der Bückeberge, dem Deister und der Hildesheimer Börde fast ohne Höhenunterschiede. Bei solch idealen Voraussetzungen ist es kein Wunder, dass bereits 1856 Pläne existierten, eine Kanalverbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Berlin herzustellen. Bis zum Baubeginn sollten allerdings noch 50 Jahre vergehen, denn der Widerstand gegen den Mittellandkanal war enorm. Wie kaum ein anderes Großprojekt seiner Zeit wurde er zum Symbol für den Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Zentrum des Widerstandes waren konservative Kräfte und der Bund der Landwirte, der sich vor allem gegen die Enteignung landwirtschaftlicher Flächen richtete. Das preußische Abgeordnetenhaus wies 1899 eine Vorlage zum Bau zurück, obwohl sich Kaiser Wilhelm II. öffentlich dafür ausgesprochen hatte. Dieser versetzte daraufhin einige als "Kanalrebellen" bezeichnete Beamte, die als Abgeordnete gegen den Mittellandkanal gestimmt hatten, in den einstweiligen Ruhestand. Erst sieben Jahre später konnten sich die Befürworter durchsetzen und der Bau konnte beginnen. Bis 1912 waren bereits die ersten 102 Kilometer vom Abzweig Bergeshövede bei Rheine am Dortmund-Ems-Kanal bis Minden fertiggestellt. 1916 folgten weitere 55 Kilometer bis Hannover-Anderten, 1938 erreichte man schließlich Magdeburg an der Elbe. Der durch den II. Weltkrieg nicht vollendete Anschluss an den Elbe-Havel-Kanal soll bis 2003 als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit mit einer 900 Meter langen Trogbrücke über die Elbe fertiggestellt werden. Gut in Schwicheldt (24/C3) Das Dorf Schwicheldt wurde 1131 zum ersten Mal urkundlich als "Shveglete" erwähnt. Die Familie Schwicheldt hatte ihren Stammsitz im Gut am Nordrand des Dorfes. Ihre ersten Besitzer waren Elveric, Reindag und Bertoldus, Namen, die heute in Vergessenheit geraten sind. An der alten Heerstraße von Hannover nach Peine, der heutigen Bundesstraße 65, hatte das Gut die wichtige Aufgabe, den Fernverkehr zu sichern. Kraftwerk in Mehrum Das Kraftwerk Mehrum, großer Stomlieferant für Hannover, ist in der gesamten Umgebung weithin sichtbar. Im Sommer 1965 nahm die damalige 100-Megawatt-Anlage den Betrieb auf. Das Kraftwerk wurde für die Verfeuerung mit schwerem Heizöl ausgelegt, weil Heizöl auf dem Weltmarkt damals günstig war. Im Jahr 1966 begann man mit dem Bau eines zweiten Heizblockes, dieses Mal sollte Erdgas als Brennstoff dienen. Infolge der Ölkrise kam 1979 nach einer Bauzeit von vier Jahren ein 700-Megawatt-Kohleblock hinzu. Hier wird, ausgestattet mit einer Rauchgasentschwefelungsanlage, Steinkohle verfeuert, die über den Mittellandkanal heran transportiert wird. Haufendörfer Haufendörfer sind dadurch gekennzeichnet, dass hier im Lauf von Jahrhunderten die Häuser durch Neuansiedlung dicht zusammengewachsen sind. Das Land war fruchtbar genug, um immer mehr Menschen zu ernähren, deshalb durften hin und wieder auch zweit- und drittgeborene Söhne heiraten und neue Hofstellen gründen. Jedoch durften sie nur innerhalb des Dorfes bauen, um den wertvollen Ackerboden nicht zu verschwenden - im Ortskern wurde es eng. Wie Sie im Kartenausschnitt sehen können, ist die umgebende Landschaft gänzlich unbebaut, bis in ein bis zwei Kilometer Entfernung das nächste Haufendorf liegt. Gute Beispiele sind Ohlum und Harber. Das Große Freie Ein Straßenschild in Harber (30/H13) gibt Hinweis auf eine historische Besonderheit. Zum "Großen Freien" wurden die 13 Ortschaften Ahlten, Anderten, Bilm, Höver, Lehrte, Sehnde, Gretenberg, Rethmar, Evern, Dolgen, Haimar, Harber und Klein Lobke zusammengefasst, die bis 1730 über außergewöhnliche Sonderrechte verfügten. Jeder Einwohner der freien Dörfer durfte seinen Grundbesitz eigenmächtig verkaufen, Handel treiben, Bier brauen und Waffen tragen. Er brauchte keine Abgaben zu zahlen. Als Gegenleistung musste er jedoch dem Landesherrn in den Krieg folgen. Die Dörfer des "Großen Freien" sind typische Haufendörfer und liegen an der Grenze zwischen der armen Burgdorf-Peiner-Geest und der fruchtbaren Hildesheimer Börde. Die Zugehörigkeit zum "Großen Freien" ist auch heute noch in den Wappen der Orte wiederzufinden, in deren oberen linken Feldern ein "Freienlöwe" dargestellt ist. Streuobstwiese in Clauen Streuobstwiesen finden sich, wie in Clauen, häufig am Rand von Siedlungen. Früher wurde so der Eigenbedarf an Obst gedeckt und zugleich auf der Wiese Heu geerntet. Für die Vielfalt im Einmachglas sorgten kunterbunt zusammengewürfelte Obstsorten. Leider sind diese schönen Landschaftsbestandteile heute durch das geringer werdende Interesse am eigenem Obst gefährdet. Durch ihr Verschwinden aus der Landschaft geht auch der Lebensraum vieler Pflanzen und Tiere verloren. So werden Misteln selten, Fledermäuse und Steinkäuze verlieren ihr angestammtes Revier. Kreuzstein in Borsum (30/J12) Auf dem Platz "Auf der Masch" im nordöstlichen Ortsteil Borsums steht zusammen mit einem als Stationskreuz dienenden Prozessionsdenkmal ein Kreuzstein. Unter dem Begriff Kreuzstein werden in mittelalterlicher Tradition stehende Kleindenkmale wie Rad-, Scheiben- oder Steinkreuze zusammengefasst. Gab es nach Streitigkeiten ein Todesopfer zu beklagen, musste der Totschläger oft für sein Opfer einen Kreuzstein zur Sühne aufstellen. Der Kreuzstein in Borsum wurde 1937 bei Arbeiten im Garten des Schmiedemeisters Knieke gefunden. Rübenburgen Die im 19. Jahrhundert aufkommende Zuckerindustrie mit ihrem großen Bedarf an Zuckerrüben brachte vor allem den Bauern der fruchtbaren Hildesheimer Börde einen zuvor nicht für möglich gehaltenen Wohlstand. Die traditionellen Hallenhäuser, in den Mensch, Vieh und Ernte unter einem Dach untergebracht waren, wurden zu klein. An ihrer Stelle erbaute man separate Ställe und Scheunen sowie mehrgeschossige Wohnhäuser, die dem damaligen neusten Stil entsprachen. Entlang des Tourenverlaufs können Sie immer wieder auf solche, im Volksmund "Rübenburgen" genannte, Anwesen treffen. Gaststätten zwischen Peine und Hildesheim "Dorfschänke", Breite Str. 14, Clauen, Tel. (05128) 9700, Do-Di 6-10 u. 16-24. Alt Drispenstedt, Am Drispenstedter Brink 16, Hildesheim, Tel. (05121) 76480, Mo-Sa 17-22.30. Knochenhaueramtshaus, Am Markt, Hildesheim, Tel. (05121) 32323, Tägl. 10-24. Bäckeramtshaus, Markt 8, Hildesheim, Tel. (05121) 133388, Mo-Fr 8-18.30, Sa 8-18, So 10-18. Ratskeller, Markt 1, Hildesheim, Tel. (05121) 14441, Di-So 11-15 u. 18-24. Tipps für Radfahrer zu Reparatur und Verleih Peine Hotopp Zweiräder, Feldstr. 21a, Tel. (05171) 52259. Schäfer, Zum Eichholz 1, Tel. (05171) 2833 Hildesheim (Auswahl) Dammann, Dammstr. 39, Tel. (05121) 35754. DYNAMO, Goschenstr. 69, Tel. (05121) 132397. Holgers Zweiradhandel, Gartenstr. 16, Tel. (05121) 39493. ZA LA Bikes & Parts, Schillstr. 17, Tel. (05121) 82126.
Informationen als PDF herunterladen (1,45 MB)
Urheber: © KGH und ADFC