| Rubrik: | Regionales Radwandern |
|---|---|
| Streckenverlauf: | Bad Sachsa, Walkenried, Juliushütte |
| Länge: | 19,68 km |
| Kartenmaterial: | Kartenmaterial ist erhältlich. Regionalkarte 1:100.000, CR16 Oberharz und Randlandschaften |
| Kontakt: | Landkreis Osterode am Harz Postfach 1451 37504 Osterode am Harz Tel. 05522/960-0 Fax. 05522/960-333 kreishaus@landkreis-osterode.de www.landkreis-osterode.de |
Tour zu den Römersteinen, einer Dolomitfelsengruppe inmitten der freien Landschaft

Eine weitere Tour beginnt in Bad Sachsa. Der Ort wurde erstmals 850 urkundlich erwähnt.
Im Mittelalter war die Bevölkerung im Bergbau tätig. Größere Bedeutung errang das Städtchen erst durch den einsetzenden Fremdenverkehr. Seit 1874 existiert der Kurbetrieb. Anfang unseres Jahrhunderts wurde der Ort zum Bad. Wer sich für Architektur begeistert, sollte sich ins Rathaus wagen und den Jugendstilsitzungssaal besichtigen. Die Kirche St. Nikolai ist im "Bauernbarock" gestaltet worden.
Von der Jugendherberge aus führt ein - anfangs nicht asphaltierter - Weg auf einer Brücke über die Bundesstraße hinweg und dann zur Straße Richtung Tettenborn. Am Ortseingang rechts wird abgebogen und schließlich der Rad- und Wanderweg aus Steina erreicht.
Links ab geht es zu den Römersteinen, einer Dolomitfelsengruppe inmitten der freien Landschaft, die zunächst durch den Baumbewuchs ins Auge fällt. Es empfiehlt sich das Rad spätestens an der Schutzhütte stehen zu lassen und einen Rundweg zu Fuß zu unternehmen. Die Römersteine waren in urgeschichtlicher Zeit von Bedeutung. Sie dienten als Lagerplatz in den verschiedenen Perioden der Steinzeit und sind, diverser Sagen nach, der Sitz von Riesen, Zwergen und Nixen.
Die Qualität des Weges läßt nun etwas nach. Zunächst wird er holprig, ist aber landschaftlich reizvoll, dann muß man auf der Straße bis Tettenborn weiter fahren. Hier lohnt sich der Besuch des Grenzlandmuseums.
Der folgende Straßenabschnitt bis Klettenberg ist z. Z. für Autos gesperrt. Auf halber Strecke sieht man Reste des alten Grenzstreifens der DDR, ebenso auf der Strecke von Klettenberg nach Neuhof. Ursprünglich verlief die Grenze nördlich von Tettenborn und Bad Sachsa, denn beide Orte gehörten zur Grafschaft Hohnstein und damit zu Sachsen. Zwar besetzten im Jahr 1945 zunächst die Amerikaner dieses Gebiet, doch war mit den Sowjets vertraglich geregelt, sich aus Sachsen wieder zurückzuziehen und dafür in Berlin einen Sektor zu übernehmen. Daß Tettenborn und Bad Sachsa schließlich unter britischen Einflußbereich fielen, erschien zunächst als Zufall, war aber, wie 1990 öffentlich wurde, vertraglich geregelt. Es wird wohl auch mit Rücksicht auf die nach Walkenried führende Straßen- und Bahntrasse geschehen sein.
Bei Walkenried befinden sich zahlreiche Teiche. Sie gehörten zum Walkenrieder Zisterzienserkloster (vgl. S. 17, 20), wo Mönche das Sumpfland der Helmeniederung entwässerten und Fischteiche anlegten. Der Besitz von Gruben und Hütten machte es zum reichsten Kloster Nord- und Mitteldeutschlands im Mittelalter. Die Kirchenruine, der alte Kreuzgang und einige erhaltene Klosternebengebäude einschließlich Spital (Heinrich dem Löwen soll hier nach einem Reitunfall das Bein genagelt worden sein) des 1127 gegründeten Zisterzienserklosters sind unbedingt sehenswert. Einem allmählichen Niedergang folgte 1525 die Plünderung durch die Scharen des Thomas Münzer, dabei wurde die Kirche zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1546, nachdem die Mönche zur lutherischen Lehre übergetreten waren.
Der teilweise holprige Weg südöstlich Walkenrieds bringt uns zur "Juliushütte", Standort des ehemals größten und gefürchtetsten der Außenlager des Konzentrationslagers "Mittelbau-Dora". Dieses am "Kohnstein" in der Nähe von Niedersachswerfen (Landkreis Nordhausen) gelegene KZ war wiederum Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Seit 1944 war "Mittelbau-Dora" ein selbstständiges Lager.
Unter katastrophalen Bedingungen lebten in Juliushütte ca. 7.000 Häftlinge, die in offenen Waggons, später zu Fuß, täglich in das rund 10 km entfernte Stollensystem mußten und dort v.a. in Stollenerschließungsarbeiten eingesetzt wurden. Nach der Zerstörung Peenemündes an der Ostsee als Rüstungsproduktionsstätte der Nazis verlagerten diese die Produktion der V-1 und V-2 Raketen nach Mittelbau-Dora. Zehntausende starben in den Lagern, auch bei der Evakuierung durch die SS kurz vor der Befreiung durch die Amerikaner kamen viele der Häftlinge ums Leben.
Im Gegensatz zum Lager Mittelbau-Dora, das besichtigt werden kann (Museum), sind in Juliushütte die Spuren stärker verwischt worden, aber noch erkennbar. Im umliegenden Waldgebiet ist ein Gedenkstein aufgestellt worden. Das Gelände ist heute ein Naturschutzgebiet, gut zu erkennen ist noch die ältere Geschichte des Gebiets als Gipssteinbruch.
Der Rückweg führt über Walkenried am Waldfreibad Priorteich entlang, am Sachsenstein vorbei, nach Bad Sachsa. Der Bergvorsprung und die alte Befestigungsanlage mit Wällen und den Fundamenten eines mächtigen Rundturms, Mauerresten und einer Toranlage werden von der Bahnlinie Herzberg am Harz -Nordhausen durchschnitten. Die Befestigungsanlage wurde durch Heinrich IV. im 11. Jahrhundert erbaut, jedoch bald darauf wieder zerstört. Vermutlich war der Standort ursprünglich eine frühgeschichtliche Befestigungsanlage mit drei Wällen (Naturschutzgebiet mit Wegegebot).
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