| Rubrik: | Regionales Radwandern |
|---|---|
| Streckenverlauf: | Osterode am Harz, Dorste, Düna |
| Länge: | 28,86 km |
| Kartenmaterial: | Kartenmaterial ist erhältlich. Regionalkarte 1:100.000, CR16 Oberharz und Randlandschaften |
| Kontakt: | Landkreis Osterode am Harz Postfach 1451 37504 Osterode am Harz Tel. 05522/960-0 Fax. 05522/960-333 kreishaus@landkreis-osterode.de www.landkreis-osterode.de |
Tour auf Wander- und Feldwegen zu vielen Sehenswürdigkeiten

Osterode am Harz wurde vermutlich zwischen dem 9.-12. Jh. gegründet. Das Heimatmuseum in Osterode am Harz gewährt einen Überblick über die Geschichte. Sehenswert ist die gut erhaltene Stadtmauer (ca. 1238) mit Wehrtürmen, die weite Teile der Innenstadt umschließt. In der Fußgängerzone ist übrigens Fahrradfahren erlaubt. Gut sichtbar überragt die Ruine der Alten Burg, im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, die Stadt. Ins 16. Jahrhundert fällt die erste wirtschaftliche Blüte, begründet auf dem Besitz von Eisenhütten. Im 17./18. Jahrhundert führten Tuchmachergewerbe, Wollfabrikation und Brauereikunst zu einer erneuten Blüte, nachdem zuvor die Pest gewütet hatte.
Oberhalb von Osterode am Harz stehen die Reste des Galgenturms, eine ehemalige Richtstätte. Der Bau erfolgte vermutlich um 1300 als Warte. Sie diente der Überwachung der "Hohen Straße" und der Zugänge von Süden. Es bestand Sichtkontakt mit weiteren Warten, auch mit der Warte am Wartberg ("Halbe Warte") südöstlich von Osterode am Harz in Richtung Düna.
Auf dem Weiterweg sind nahe Ührde die verfallenen Gemäuer einer Kirche auf einem Bergsporn zu erkennen.
Sie gehören zur Dorfwüstung Mötlingerode (erste Nennung 990, 1357 noch bestehend, 1554 bereits wüst). Es lohnt sich, den kleinen Hügel zu ersteigen. Die alten Straßenlagen sind noch gut zu erkennen.
Ganz in der Nähe lag auch der Feldbrunnen.
Er war im 17. und 18. Jahrhundert als Gesundbrunnen bekannt, dem beachtliche Heilwirkungen zugeschrieben wurden und dessen Wasser sich durch besondere Klarheit und lieblichen Geschmack auszeichnete. Davon soll sich König Georg II. täglich ein Fäßchen habe bringen lassen, wenn er in Hannover weilte. Daher war der Brunnen auch als "Königsbrünnlein" bekannt.
Nach dem vorsichtigen Überqueren der Bundesstraße geht es abwechselnd bergauf und bergab Richtung Norden. Malerische Rundumsichten entschädigen für die Mühe.
Schließlich erreicht man den Rand eines Gipsbruchs. Ein Wanderweg führt zur Pipinsburg. Sie gilt als eine der eindrucksvollsten ur- und frühgeschichtlichen Stätten und ist gleichzeitig einer der bedeutendsten Befestigungsanlagen des südniedersächsischen Berglandes. Die einst bestehende mittelalterliche Burg wurde 1365 zerstört. Es sind unter anderem mächtige Wälle und Mauerreste erhalten. Die Erstbesiedlung fand Ende der Bronzezeit statt, die Hauptsiedlungsphasen lagen jedoch in Abschnitten der Eisenzeit und im Mittelalter.
In der mittleren Eisenzeit waren die Bewohner landwirtschaftlich (Getreide, Gemüse, Haustiere) und handwerklich (Töpferei, Bronze- und Eisenguß) tätig. Bereits damals bestanden ausgedehnte Handelsbeziehungen. Am Ende der Eisenzeit scheint die Siedlung einem Feuer zum Opfer gefallen zu sein. Die Siedlung war kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkt des Harzvorlandes in der Kontaktzone von Süd-, Mittel- und Norddeutschland.
Immer abwärts radelnd ist Forste bald erreicht. Zunächst bestand am Ort vermutlich ein liudolfingisches Hausgut (ca. 990 v.Chr.). Ein Dorf mit Wall ist mindestens seit 1353 nachgewiesen, später gab es auch eine Burg. Reste der alten Schanze sind im Gutspark zu sehen. Heute existiert noch ein Lehnshof, der 1357 gegründet wurde (Erläuterungstafel). Er liegt rechterhand am Ortseingang. Das Streckhofgebäude aus dem 17. Jh. steht unter Denkmalschutz.
Wegen der stark mineralhaitigen Quellen plante man im 16. Jh. die Errichtung einer Saline in Forste. Heute wird hier Mineralwasser abgefüllt.
Zwischen Forste und Dorste liegt links auf dem bewaldeten Hügel im Naturschutzgebiet die Burg Lichtenstein (vgl. S. 63). Sie ist am besten zu Fuß zu erreichen. Anfang des 15. bis Mitte des 16. Jahrhunderts war sie Gipfelburg der Herzöge von Grubenhagen. Mauerreste, Wallanlagen und Burggraben blieben erhalten. Der Sage nach entstiegen in der Nähe aus einem Loch 30 singende Schüler und verschwanden schließlich wieder. Tatsächlich wurden in einer dortigen Höhle (nicht zugänglich) rund 30 juvenile Skelette gefunden, die von Menschen der jüngeren Bronzezeit stammen. Es wird vermutet, daß dort eine Opferstätte war, denn der Höhlenzugang ist so eng, daß ein Leichentransport nur schwer vorstellbar ist.
Bei der Durchquerung Dorstes ist die evangelische Kirche zu sehen, die 1827 unter Einbeziehung des mittelalterlichen Westturms aus Bruchsteinen erbaut und spätklassizistisch ausgestattet wurde.
Schwiegershausen wurde 1055 erstmals urkundlich erwähnt. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde an der Stelle der heutigen Kirche eine Kapelle errichtet, aus der der heutige Taufstein stammt. Die abgeschiedene Lage und jahrhundertelange Ortsansässigkeit vieler Familien brachte unter anderem eine eigene Spielart der plattdeutschen Sprache hervor. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts florierte in Schwiegershausen die Leineweberei. Darauf weisen alte Flurnamen, z.B. "In den Roten" hin. Dort wurde der Lein/Flachs für mehrere Wochen feucht gehalten, so daß sich der Bast bei den Gärungsprozessen ablöste und die Fasern verarbeitet werden konnten.
Auf idyllischen, wenn auch teilweise recht holprigen Wegen, erreicht man die Karstgebiete von Hainholz und Beierstein. Die Region des Hainholzes war im frühen Mittelalter stärker als heute besiedelt. Es gab neben Düna noch weitere Siedlungen, so die "villa kruckerensis" (1285) und die Ortschaft Besingen (979 - mind. 1356).
Am Ortsrand von Düna wurden in den Jahren 1981 - 1985 Teile der mittelalterlichen Ortswüstung "Dunede" ausgegraben. Anhand der archäologischen Funde und Befunde ließ sich belegen, daß Düna bereits ab etwa 300 n. Chr. kontinuierlich besiedelt war. Bedeutendster Fund waren die gut erhaltenen Fundamente eines zweistöckigen Steingebäudes, welches einem Adelsgeschlecht zwischen etwa 800 und 1300 als Wohnsitz diente.
Die Jettenhöhle bei Düna wurde spätestens in der frühen Eisenzeit regelmäßig aufgesucht. Neben dem heutigen Eingang (Betreten auf eigene Gefahr!) gab es früher einen bequemeren, heute verschütteten Zugang.
Der Radweg von Düna nach Osterode am Harz folgt der Linienführung der Hohen Straße. Sie war bedeutendste Fernverbindung im frühen und hohen Mittelalter und führte westlich um den Harz über Horden, Pöhlde und Bartolfelde in das Gebiet Thüringens und Sachsens. Für das hohe Alter spricht auch die Aufreihung ältester Siedlungsnamen an dieser Strecke, deren Ursprung in Verbindung mit diesem Weg zu suchen ist, denn agrarwirtschaftlich ist diese Region relativ benachteiligt. Vor Osterode am Harz sieht man rechterhand die eingangs erwähnte restaurierte "Halbe Warte". Sie stammt aus dem 14. oder 15. Jahrhundert.
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