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Tour 2 - Herzberg am Harz

Rubrik:Regionales Radwandern
Streckenverlauf:Herzberg am Harz, Bartolfelde, Rhumequelle
Länge:36,29 km
Kartenmaterial:Kartenmaterial ist erhältlich. Regionalkarte 1:100.000, CR16 Oberharz und Randlandschaften
Kontakt:Landkreis Osterode am Harz

Postfach 1451
37504 Osterode am Harz

Tel. 05522/960-0
Fax. 05522/960-333

kreishaus@landkreis-osterode.de
www.landkreis-osterode.de

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Informationen zur Tour

Tour auf teilweise asphaltierten Feldwegen zur Rhumequelle

Die zweite Tour beginnt in Herzberg am Harz (Nähe "Englischer Hof") auf der Kreisstraße Richtung Scharzfeld.

Vor Scharzfeld biegt man auf einen asphaltierten Feldweg ab, der unter anderem zur Bachschwinde des Eichelngraben und einer kleinen verschütteten Doline führt. Der jetzt anstehende steile Abschnitt wird durch die nachfolgende Abfahrt am Steinberg entlang belohnt.

Ein beschilderter Fußweg führt zur Steinkirche, einer großen Klufthöhle im Dolomit. Im Mittelalter wurde die Höhle erweitert, so daß sie den Charakter eines Kirchenraums mit Altar erhielt. Sie ist frei zugänglich.

Als Möglichkeit, eine noch geräumigere und weitläufigere Höhle zu besichtigen, bietet sich die etwas weiter östlich gelegene Einhornhöhle an. Diese erschlossene und bewirtschaftete Schauhöhle ist mit dem Rad nur über eine Stichstraße mit starker Steigung zu erreichen. Die gesamte Region mit ihren zahlreichen sehenswürdigen Felsüberhängen und Höhlen war bereits in urgeschichtlicher Zeit beliebtes Siedlungsgebiet.

Die Ortsdurchfahrt von Barbis ist zu stark befahren, deshalb geht es im Ort zunächst bergauf. Auf dem Höhenzug bietet sich eine herrliche Aussicht.
Schließlich wird die bewirtschaftete Dreymannsmühle mit Freibad erreicht.

Danach wird dem Feldweg Richtung Schmiedekindsmühle gefolgt. Linker Hand erhebt sich ein Felsen mit umliegenden Magerrasen, derallerdings sehr trittempfindlich ist (Naturschutzgebiet mit Wegegebot).

Nach dem Überqueren der Eisenbahnlinie kommt man auf einer recht ruhigen Kreisstraße nach Bartolfelde.

Links im Ort liegt ein Steinbruch, der als Naturdenkmal unter Schutz steht und auf zahlreiche Geowissenschaftler anziehend wirkt. Das zuunterst anstehende Gestein ist Grauwacke und stammt aus der Zeit der ersten Auffaltung des Harzes vor rund 300 Millionen Jahren. Als später das Gebirge zunehmend abgetragen wurde und sich das Zechsteinmeer vor 240 Millionen Jahre ausbreitete, befand sich hier in Küstennähe eine Untiefe. Es lagerte sich Dolomit aus den Kalkskeletten riffbildender Moostierchen auf der Grauwacke ab. Auf der linken Seite sind die groben, durch die Brandung vom Kliff abgerissenen Blöcke zu erkennen.

Am Ortsausgang wird die Straße verlassen und Sie fahren zu den Westersteinen (Naturdenkmal). Diese liegen in dem kleinen Wäldchen rechts des Weges. Die Westersteine sind weitere Zeugen der Untiefe im Zechsteinmeer, die wir bereits in Bartolfelde kennengelernt haben. Hier hat sich jedoch ein Riff aus Kalkalgenmatten mit noch heute gut sichtbarer flacher bis kugelartiger Oberfläche gebildet. Abseits der Brandung befand sich eine Lagune mit Muscheln und Schnecken.

Im weiteren Verlauf wird der Beberteich erreicht, ein großer wassergefüllter Erdfall. Dieser durch Einsturz entstandene, zunächst sehr steile und tiefe Trichter, ist im Laufe der Jahre zugeschlämmt und erscheint nun als flache Mulde, die als wertvolles Feuchtbiotop unter anderem Amphibien einen idealen Lebensraum bietet.

Die Strecke nach Pöhlde ist reich an Erdfällen unterschiedlicher Ausprägung. In der Ferne sieht man am Harzrand auf einem Dolomitfelsen die Burgruine Scharzfels.

Im Pöhlder Wald befindet sich eine etwa 10 m mächtige Schotterschicht auf dem auslaugungsfreudigen Gips (Hauptanhydrit). Die Schotter lassen das Wasser der nahegelegenen Oder leicht durchdringen. Zahlreiche Höhlen sind deshalb entstanden, sind wieder eingebrochen, und haben schließlich eine regelrechte Erdfallandschaft gebildet. Bemerkenswerterweise sind selbst die tiefsten Trichter, die bis unterhalb des Wasserspiegels der Oder reichen, trocken. Der unterirdische Wasserlauf bis zur Rhumequelle erfolgt nämlich wesentlich tiefer.

Vor Pöhlde versickerte die Oder vor dem Bau der Odertalsperre zum Teil völlig, da sie hier in den Bereich verkarstungsfähigen Gesteins kam. Auch heute ist hier noch ein Wasserverlust zu verzeichnen, so daß die Oder flußabwärts (Kreuzung mit B 27) weniger Wasser als am Harzrand bei Scharzfeld führt.

Auch der Teich bei der Pöhlder Kirche ist ein wassergefüllter Erdfall. Jüngere Erdfälle (1945/1987) und Bodenabsenkungen auf der Klosterstraße vor dem Mühlgraben wurden wieder verfüllt.

Zu guter Letzt erreicht man über einen schönen Radweg, der auf einer ehemaligen Bahnlinie entlang führt, die Rhumequelle, ein tiefer, grünblau erscheinender klarer Teich. An dieser größten Karstquelle Norddeutschlands und ihren Nebenquellen tritt ein Großteil des Wassers wieder aus, das in den zahlreichen Bachschwinden der weiteren Umgebung versickerte. "Hauptlieferanten" sind Oder und Sieber, aber auch kleinere Bäche, wie Eichelgraben, Eichelbach und Beber. Auch in Erdfällen verschwindendes Regenwasser trägt dazu bei.

Die leicht unterschiedliche Zusammensetzung der nahe zusammenliegenden Quellen zeigt die verschiedenen unterirdischen Wege an. Das Wasser wird zur Trinkwassernutzung aufbereitet. Rund 65 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr speisen den hier entspringenden Rhumefluß.

Auf dem Radweg geht es bis nach Herzberg am Harz zurück. Dort läßt sich die Tour am Jues beschließen, ebenfalls ein wassergefüllter Erdfall. Dieser ist aber so groß, daß hier ein - gratis zugängliches - Seebad vorhanden ist und beim Cafe/Restaurant auch Tretboote verliehen werden. Da der See wegen seiner Tiefe und Steilwandigkeit kaum durchmischt wird, ist die Selbstreinigungskraft nur gering. Dies führt leider zu einer zunehmenden Eutrophierung (Zunahme unerwünschter Nährstoffe in Gewässern).

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Urheber: © Landkreis Osterode am Harz

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