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Die beschauliche Mühlen-Tour

Rubrik:Regionales Radwandern, Eintagestour
Start:Dollbergen
Streckenverlauf:Dollbergen, Uetze, Hänigsen, Otze
Ziel:Otze
Länge:26,39 km
Kartenmaterial:Kartenmaterial ist erhältlich. Radwanderkarte, 1:75,000, RC30

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Informationen zur Tour

Tour auf ebenen und wenig befahrenen Straßen und Wegen

Die Tour beginnt auf der Nordseite des Bahnhofs Dollbergen (30/E15). Wir fahren zwischen dem alten Gasolingelände und der größten und modernsten Recyclinganlage für Altöle in Europe hindurch, bis wir kurz vor der Landesstraße nach rechts Richtung "O.G. Uetze, Übungsplatz" abbiegen. Der Weg führt vorbei am Hundeübungsplatz, bis rechts jenseits der Gleise die großen Gebäude der GROKA zu sehen sind. Wir folgen dem Weg nach links am Waldrand entlang bis zur Rechtskurve. Hier ist ein kurzer Abstecher zum alten Tierfriedhof möglich (erst links und nach etwa 200m wieder nach rechts abbiegen, wenige Meter im Wald geradeaus. Dann auf der rechten Seite). Da sich der Tierfriedhof im Landschaftsschutzgebiet befindet und dort laut Gesetz nicht sein darf, wurde er 1999 stillgelegt. Die Grabstellen von vielen vierbeinigen und gefiederten Freunden Uetzer Bürger sind aber noch deutlich zu erkennen. Zurück auf der Route überqueren wir den Bach auf einem schmalen Steg und folgen dem Wasserlauf nach links. Nach einem Kilometer biegen wir am Ende des asphaltierten Weges nach rechts ab, folgen dem Weg bis wir den Bach wieder erreichen und vor ihm links einbiegen. Rechts hinter den Weiden erblicken wir in 700m Entfernung schon die Wolfsförder Mühle (30/E15). Der Weg macht einen kurzen Links-Rechts-Haken und führt nach 200m zu einer Kreuzung. Wer die Wolfsförder Mühle nicht aus der Nähe sehen will, biegt an der Kreuzung nach links ab. Der Abstecher zur Wolfsförder Mühle führt nach rechts über den Fuhse-Steg und weiter rechts bis zur Mühle. Die Wolfsförder Mühle ist wahrscheinlich die älteste Wassermühle rund um Uetze. Chronisten haben eine erste Erwähnung der "molen to wadelsvorde" um 1330 ausgemacht. Jahrhunderte lang befand sich die Mühle im Besitz der Familie Bühring, die sich trotz mehrfacher Verschuldung standhaft weigerte, die Taxierungen der Schätzer anzuerkennen und die Mühle zu verkaufen. Erst 1921 starb das letzte Familienmitglied der männlichen Linie und damit auch die Besitzer-Tradition der Mühle. Heute ist sie wieder in Privatbesitz. Die Fuhse ist inzwischen begradigt und das Wehr einem mehrstufigen Sohlabsturz gewichen. Diesen Veränderungen ist auch das Mühlrad zum Opfer gefallen. Nur noch der Stumpf seiner Achse ragt aus dem verfallenen Gebäude heraus, das in seiner romantischen Umgebung Erinnerungen an die Geschichten von Tom Sawyer und Huckleberry Finn weckt. Nach einem letzten Blick auf die sprudelnde Fuhse fahren wir zurück zur Kreuzung und queren sie geradeaus bis uns der nächste Weg rechts nach Wackerwinkel (30/E15) führt. Der kleine Ort Wackerwinkel mit seinen großen Höfen war bis in die zwanziger Jahre hinein eine eigene Gemeinde. Er birgt einen besonderen Schatz: Wenn wir in der leichten Linkskurve auf den geradeaus liegenden Hof schauen, sehen wir ein über vierhundert Jahre altes Zweiständerfachwerkhaus, das der Heimatbund Uetze liebevoll und behutsam originalgetreu ausgebaut hat. Das Haus befindet sich auf Privatbesitz, wir sollten der Wegweisung folgen. Wenn wir Glück haben, ist jemand vom Heimatbund da und erklärt uns die Besonderheiten dieses Gebäudes. Weiter geht es auf dem jetzt unbefestigten Weg aus dem Ort heraus nach Norden. Nach etwas über einem Kilometer beginnt ein Wäldchen, vor dem wir nach rechts abbiegen. Der Weg führt uns unter der ehemaligen Bahnstrecke Uetze-Plockhorst hindurch über die Fuhsebrücke, bis wir rechts die Eltzer Mühle (30/D15) sehen. Die Eltzer Mühle präsentiert sich äußerlich noch komplett. Eingewachsen unter alten Bäumen liegt der alte Fachwerkbau so idyllisch, dass der Betrachter schnell in vergangene Zeiten hinüber träumt und dabei kaum bemerkt, dass das Klappern des imposanten Wasserrades am rauschenden Bach längst verklungen ist. Früher gab es dafür um das Fuhse-Wasser um so heftigeres Getöse. Die Staurechte des Flüsschens waren nämlich heiß umkämpft. Während die Müller das Wasser stauen mussten, um das Räderwerk in Gang zu setzen, beanspruchten die Bauern das Recht für sich, das Fuhsewasser als Beregnungsquelle für ihre Felder nutzen zu dürfen. Über mehrere Generationen zogen sich die Prozesse hin, bis sich alle Beteiligten anno 1874 im Amt Meinersen endlich auf eine Regelung einigen konnten. Danach dauerte die Stauzeit vom 1. November bis zum 30. Mai. Außerdem mussten die Bauern den Müllern für die Bewässerung ihrer Wiesen einen bestimmten Betrag auszahlen. So verrät es die Uetzer Dorfchronik. Von der Mühle aus geht es zurück, am Weg nach Wackerwinkel, über den wir vorhin gekommen sind, jetzt geradeaus vorbei. Links liegt eine alte Tonkuhle. Der unbefestigte Weg wandelt sich in eine asphaltierte "Rennstrecke". Wir biegen aber schon nach 200 m rechts ab, radeln vorbei an dem weißen Trafotürmchen. Vor uns sehen wir den Kirchturm von Uetze. An den gepflegten Gärten des Kleingartenvereins Sonnenland vorbei geht es weiter, bis wir rechts in die Osterstraße, ein alte Dorfstraße mit Kopfsteinpflaster, abbiegen und nach wenigen Metern rechts in die Schünebuschstraße fahren. Sie führt auf ein wunderschönes, altes Fachwerkhaus zu, das ein Uetzer Bürger hier neu errichtet hat. Wenn wir vor dem Haus links abbiegen, sehen wir geradeaus die große Ammesche Mühle. Die Ammesche Mühle (30/D15) zählt zu den Mühlen des Junkernhofes, die allesamt stets verpachtet waren. Verträge klärten die Bedingungen bis ins Kleinste. Erster Pächter seines alten namengebenden Geschlechts war in Uetze 1766 "Meister Andreas Jürgen Amme". Er verpflichtete sich, alles vom Junkernhof gelieferte Korn unentgeltlich zu mahlen, Instandsetzung und Reinigung der Mühle, Säuberung der Gräben, Brandschutz, Brandbekämpfung und vieles mehr zu seinen Aufgaben zu zählen. Darüber hinaus renovierte Andreas Jürgen Amme die Mühle gründlich - gegen die Anlieferung von 39 Stämmen Holz durch den Junkernhof. Schließlich wollte er die Mühle seinem Sohn in bestem Zustand übergeben, zumal dieser mit erhöhten Unkosten zu rechnen hatte. Über Generationen hinweg war es nämlich üblich, mit jedem neuen Vertragspartner die Pacht zu erhöhen. Erst 1807 wurde der Familie Amme zugestanden, den Pachtvertrag in einen Erbenzinsvertrag umzuwandeln. Der Preis dafür betrug laut Chronik 4000 Taler, dazu jährlich 4 Himbten Roggen (ca. 1,24 hl) und ein fettes Schwein von mindestens 100 kg. Wir folgen der Mühlenstraße, biegen nach rechts wieder in die Osterstraße ein und sehen an deren Ende an der Fuhsebiegung mehrere historische Gebäude. Rechts hinter uns liegt die Mühle, rechts jenseits der Fuhse ein dunkles, holzverkleidetes Gebäude und auf der gegenüberliegenden Straßenseite der "Neue Garten", der schon seit Jahrhunderten eine Gastwirtschaft ist. Wir biegen ab nach rechts und vor der Fuhsebrücke wieder nach rechts in die Pestalozzistraße. Der Übergang über bzw. durch die Fuhse war hier in früheren Jahren sehr wichtig, denn sie führte zum Junkernhof. Das Gut Junkernhof mit seinem sehenswerten Herrenhaus und einem Nachbargebäude blieb von der entsetzlichen Feuerbrunst verschont, die 1863 das damals schon fast 1000jährige Uetze fast komplett in Schutt und Asche legte. Über 300 Jahre lang lebte die Familie "von Lüneburg" in dem Anwesen. Dabei handelte es sich um eine verbotene Liebe des Herzogs und ihre 12 Kinder, die Kaiser Ferdinand II. viele Jahre später in den Adelsstand erhob. Der Junkernhof befindet sich heute in Privatbesitz. Schon vor dem Gut fällt an der Hauptstraße jenseits der Fuhse eine alte Villa auf. Sie gehörte früher dem Müller. Interessant ist die dorthin führende Brücke. Ihre Baumeister konstruieren sie einst in einem Bogen. Er ermöglichte es den Fuhrleuten, unter der Brücke hindurch zu fahren und damit die hölzernen Räder ihrer Wagen zu wässern. Der Pestalozzistraße folgen wir bis zur Marktstraße. Auf dem großen Festplatz gegenüber finden Sonntags häufig Flohmärkte statt und am ersten Juniwochenende das Schützenfest. Am 1. Mai lohnt sich ein Halt am Schützenheim, vor dem dann gerade der Maibaum aufgerichtet wird. Aus dem Ort heraus radeln wir über die Kreuzung mit B 188 und biegen hinter dem "Landhaus Wilhelmhöhe" (schöne Einkehrmöglichkeit) links ab. Hier halten wir uns links und schieben unser Rad auf einem Weg, der etwa 100 m nach dem Beginn des Waldes nach links zu einem alten Fuhsesteg führt. Dieser idyllisch gelegene Flussübergang ist ein idyllischer Picknickplatz. Ebenso das Nordufer des Spreewaldsees, den wir nach einigen hundert Metern Fahrt in südwestlicher Richtung erreichen. Am Spreewaldsee folgen wir der Fahrstraße in Ufernähe nach Süden und biegen rechts in einen langgezogenen, geraden Waldweg ein, der uns nach Hänigsen (30/J8) führt. Dort radeln wir am Freibad vorbei. Weiter geht es geradeaus durch die Straße Am Fließgraben, an deren Ende wir halblinks in die Straße Am Bahnhof einbiegen. Hier sehen wir ein Förderrad, eine Ölpumpe und, wenn wir weiter der Feldstraße über die Obershagener Straße hinweg folgen, den Hof des Leiters der Deckstation Schillerslage. Sie stehen als Symbole für das, was Hänigsen einst reich gemacht hat. Noch heute zieren der Förderturm der Kaligrube, Ölpumpe und Hengst das Wappen des Ortes. Am Ende der Feldstraße geht es rechts weiter durch die Windmühlenstraße, an deren Ende wir die alte wunderbar erhaltene Bockwindmühle bestaunen können. Die Hänigser Bockwindmühle hat ihre Bedeutung bis heute bewahrt. Sie prangt nicht nur im Wappen des Ortes, sondern sie ist auch Mittelpunkt des Mühlenfestes, das alljährlich fast alle großen und kleinen Hänigser auf die Beine bringt. Die vielen Vorführungen und Stände der Vereine möchte sich kaum jemand entgehen lassen. Und in Lohn und Brot steht die Mühle schließlich auch noch. Allerdings haben die Betreiber die alte Mühlenfahne von 1705 in frischen Wind gehängt und vom Mahlen auf den Verkauf des Getreides als Futtermittel umgesattelt. Wenn wir von der Windmühle aus an der abknickenden Vorfahrt nach Weferlingsen und in Weferlingsen geradeaus nach Otze radeln, haben wir am Bahnhof unser Tourenziel erreicht.

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Urheber: © Hartmut Schulte, Uetze

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